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Diözesan-Caritasverband Hildesheim, 20.04.2015

Caritas in Niedersachsen zu den jüngsten Flüchtlingstragödien im Mittelmeer:

"Trauer, Wut und blankes Entsetzen"

Caritas in Niedersachsen zur Flüchtlingstragödie im Mittelmeer – Wohlfahrtsverband fordert umfassende Seenotrettung - Hildesheimer Migrationsexpertin: „Europa ist mitverantwortlich“

 

Frau Mehring, mit über 700 Toten in einer Nacht ist dies vermutlich die größte humanitäre Katastrophe im Mittelmeer. Was fühlt eine lang-jährige Expertin in diesem Bereich angesichts von über 1000 Toten innerhalb einer Woche?
Ich bin entsetzt. Und dieses Entsetzen wiederholt sich ständig, wenn ich allein daran denke, dass im Oktober 2013 über 300 Flüchtlinge vor Lampedusa ertrunken sind. Aber was passiert auf Ebene der Europäischen Union? Italien hat damals für die Dauer eines Jahres das Seenotrettungsprogramm „Mare nostrum “ ins Leben gerufen und anschließend die EU um Weiterführung gebeten. Die europäische Gemeinschaft führt aber nur ein reduziertes Programm weiter, und das rächt sich jetzt. Noch mal: Ich empfinde Trauer, Wut und blankes Entsetzen.

…dabei würde die Fortsetzung von „Mare nostrum “ würde gerade mal so viel wie ein EU-Gipfel kosten…
Bei neun Millionen Euro Kosten monatlich, umgelegt auf einen EU-Bürger, ergibt sich der Betrag von 15 bis 16 Cent pro Jahr. Wir machen uns der unterlassenen Hilfeleistung schuldig.

Was fordern Sie als Caritas in Niedersachsen?
Wir benötigen eine umfassende Seenotrettung. Dazu müssen Entscheidungen auf EU-Ebene getroffen werden. Wir fordern daher, dass Deutschland, das wirtschaftlich in der EU herausragt, sich auch an die Spitze dieser humanitären Initiative setzt und Lösungen schafft. Wir können nicht weiter tatenlos zusehen, das tun wir schon zu lange.

Die Dunkelziffer sagt, dass weitaus mehr Menschen ertrunken sind als die Zahlen, die offiziell genannt werden…
In der Tat. Und das Thema wird bleiben, auch wenn es in ein paar Tagen aus den Schlagzeilen unsere Medien wieder verschwunden ist. Hilfestellung ist ein Gebot der Menschlichkeit. Flüchtlingszentren in Nordafrika sind keine Lösung. Selbst die UN hat dieser Idee eine klare Absage erteilt. Dies ist keine Option, in Libyen ein Zentrum aufzubauen, wo so viel Gewalt herrscht und keine Perspektive besteht. Auffanglager sind keine Lösung. Im Vergleich zurzeit vor 25 Jahren haben wir heute ein hohes zivilgesellschaftliches Engagement, das enorm wertvoll ist. Die Kräfte, die jetzt da sind, sind wichtig um Flüchtlinge zu unterstützen. Wir beginnen endlich mit dem Verstand und mit dem Herzen nachzuvollziehen, was es bedeutet, flüchten zu müssen.

Diese Flüchtlinge wollen kein besseres Leben, sie wollen schlicht und einfach überleben. Da wir in Europa nicht allein auf diesem Planeten leben, sind wir mitverantwortlich.

Hedwig Mehring ist Referentin für Migration und Integration beim Caritasverband für die Diözese Hildesheim und spricht für Caritas in Niedersachsen

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Caritas in Niedersachsen
Kopernikusstr . 3
30167 Hannover
Telefon: 0511 121730

 

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