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Diözesan-Caritasverband Hildesheim, 24.04.2015

Die Zukunft gemeinsam gestalten

Bei der Caritas in den Bistümern Dresden-Meißen und Hildesheim werden künftig polnische Pflegekräfte ausgebildet

Auschwitz/Dresden/Hildesheim. Die Caritasverbände der Bistümer Dresden-Meißen und Hildesheim werden künftig die praktische Ausbildung von polnischen Pflege-Studenten übernehmen. Dazu haben sie am 23. April einen Kooperationsvertrag mit der Rittmeister-Witold- Pilecki -Hochschule in Oświęcim (Auschwitz) abgeschlossen.

Nach dieser Vereinbarung werden die jungen Polen den praktischen Teil ihres Studiums in den Caritas-Altenpflegeheimen der beiden Bistümer absolvieren. Ein Novum in der deutsch-polnischen Zusammenarbeit, wie Witold Stankowski, Rektor der Auschwitzer Hochschule bestätigt. „Es ist das erste Mal, dass polnische Studenten ihre Praktikumszeit über einen so langen Zeitraum in Deutschland verbringen können.“ In drei Abschnitten werden sie insgesamt zehn Monate bleiben und Erfahrungen in der Pflege und Betreuung von alten Menschen sammeln. Im Wintersemester 2015/2016 geht es los.
Hintergrund ist ein neuer Studiengang der Sozialen Arbeit mit dem Schwerpunkt Altenpflege an der polnischen Hochschule. „In Polen gibt es kaum Fachkräfte in der Altenhilfe“, sagt Witold Stankowski. „Wir betreten mit unserem Studiengang und der praktischen Ausbildung in Deutschland völliges Neuland.“ Wer dabei sein will, muss die deutsche Sprache beherrschen. „In unseren Einrichtungen haben wir aber auch schon viele polnischsprachige Mitarbeitende“, sagt der Caritasdirektor für die Diözese Hildesheim, Hans-Jürgen Marcus. „Dadurch gibt es bereits eine kulturelle Nähe, die den Aufenthalt für die polnischen Studenten erleichtern wird.“ Durch die Kooperation erhofft sich Marcus auch eine Aufwertung der Pflegeberufe in Deutschland, die angesichts des demographischen Wandels immer wichtiger werden. „Uns fehlen schon heute gut ausgebildete Fachkräfte.“
Der Caritasdirektor für das Bistum Dresden-Meißen, Matthias Mitzscherlich, betont ebenfalls die Notwendigkeit der internationalen Hilfe angesichts des demographischen Wandels. Der Austausch mit der polnischen Hochschule sei eine Möglichkeit, auf dieses Problem aufmerksam zu machen und ihm zu begegnen. Die Caritas-Vertreter wollen aber auch möglichen Missverständnissen vorbeugen. Mitzscherlich: „Die jungen Menschen sollen nicht nach Deutschland abgeworben, sondern für den polnischen Bedarf ausgebildet werden.“

Ein Werk der Versöhnung
Zustande gekommen ist der Kooperationsvertrag zwischen der Caritas und der Hochschule auf Initiative des niedersächsischen Pädagogen Matthias Gleitze . Der frühere Leiter der Alice-Salomon-Schule für Gesundheit und Soziales in Hannover ist nicht erst seit seiner Pensionierung in der deutsch-polnischen Versöhnungsarbeit engagiert, seit 2014 sogar als Honorarprofessor an der Hochschule in Auschwitz – mindestens zweimal im Semester fährt der 69-Jährige dafür rund 1700 Kilometer. Gleitze hat an die Türen der Caritas geklopft und um Unterstützung für die polnische Einrichtung gebeten. „An diesem Ort, an dem Deutsche anderen Menschen Schlimmes angetan haben, kann ich damit vielleicht einen kleinen Beitrag zur Versöhnung leisten“, sagt Matthias Gleitze .
Ein Anliegen, das die Caritasverbände teilen. „Kann man nach Auschwitz noch beten?“, fragt der Theologe Hans-Jürgen Marcus im Anschluss an seinen Lehrer Johann Baptist Metz. „Man kann, weil auch in Auschwitz gebetet wurde“, lautet die Antwort. „Auschwitz steht wie kaum ein anderer Ort für die schlimmsten Verbrechen“, sagt Matthias Mitzscherlich. „In der Zusammenarbeit mit den jungen Polen können wir zeigen, dass die Hilfe für Menschen in Not, ganz gleich, in welcher Situation sie sich befinden, größer und wertvoller ist als alles Leid.“

Andreas Schuppert

Kontakt
Eva-Maria Güthoff
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